Kosten für Baustoffe weiterhin auf historisch hohem Niveau – Erzeugerpreisindex per Oktober 2022

Kosten für Baustoffe weiterhin auf historisch hohem Niveau – Erzeugerpreisindex per Oktober 2022

Die Kosten für Baustoffe bewegen sich nach dem Erzeugerpreisindex des Statistischen Bundesamtes per Oktober 2022 weiter auf historisch hohem Niveau. Demnach lagen die Erzeugerpreise für alle gewerblichen Produkte um 34,5 % über dem Vorjahreswert. In den Vormonaten lag die Rate noch bei über 40 %. Im Ergebnis dieser nachlassenden Entwicklung sind die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat erstmalig seit Mai 2020 gesunken (-4,2 %). Preistreiber bleiben vor allem die Energiekosten.

Für energieintensive Produkte, wie mineralische und keramische Baustoffe, sind weitere Preiserhöhungen virulent: Der Preisindex für Ziegel steigt zum Vorjahresmonat um knapp 17 % und zum Vormonat um gut 3 %. Zement, Kalk und gebrannter Gips sind zum Vorjahr um 31 % und zum Vormonat um ca. 3 % teurer geworden. Vliese halten zum Vorjahr eine Dynamik von über 60 % und bewegen sich zum Vormonat auf konstantem Niveau.

Bei einzelnen Produkten ist aber eine nachlassende Tendenz zu beobachten. So haben Kunststoffe und Baustahl zum Vormonat etwas nachgegeben (-1 % bis -3 %), liegen aber immer noch höher als im Vorjahr (+7 % und +30 %). Auch im Straßenbau bleibt der Einkauf teuer: Bitumen (-10 %) und Asphaltmischgut (-0,3 %) geben aktuell nach, bleiben zum Vorjahr aber um 14 % (Bitumen) beziehungsweise 35 % (Asphaltmischgut) teurer. Einzig Holzprodukte geben gegenüber dem Vorjahresmonat (-26 %) und zum Vormonat (-1 %) weiter nach, bleiben aber auch erkennbar über dem Ausgangsniveau von 2019.

Diese und weitere Daten können dem Anhang entnommen werden.

Zu den einzelnen Baustoffen:

Bitumen

Der Rohöl basierte Baustoff Bitumen ist ein zentraler Bestandteil in der Asphaltproduktion für den Straßenbau. Bei Erdöl sind bereits deutliche Preissteigerungen von den Märkten eingepreist worden. Dies schlägt sich bei der Preisentwicklung für Kraftstoffe und Bitumen nieder, hat aber auch die Produktionskosten erdölbasierter Kunststoffe (Dämmmaterial, Rohre, etc.) erreicht.

Die deutsche Asphaltindustrie thematisiert die Abhängigkeit einiger zentraler Raffinerien von entsprechenden Lieferungen aus Russland. Bei Lieferstopps drohe ein Ausfall von bis zu einem Drittel der hiesigen Bitumenversorgung. Die Auswirkungen auf den deutschen Straßenbau seien erheblich und in einigen Fällen für Unternehmen sicherlich existenzbedrohend.

Die Bauwirtschaft ist mit ihren Materialtransporten als transportintensivste Branche der Volkswirtschaft massiv von den Preisentwicklungen bei Diesel und Benzin betroffen.

Holz

Die hohe internationale Nachfrage nach Holz, der Schädlingsbefall von Wäldern in Europa und Kanada sowie Exportbeschränkungen führten insbesondere 2021 zu steigenden Preisen und Holzknappheit in Deutschland, auch weil in anderen Ländern deutlich mehr für Schnittholz gezahlt wird.

Auch wenn Russland bereits im letzten Jahr Exportverbote für Holz verfügte, hatte der Ausfall entsprechender Importe aus Russland zunächst treibend auf die Weltmarktpreise für Holz zurückgeschlagen und damit auch den deutschen Markt erreicht. Nach starken Schwankungen in den vergangenen zwölf Monaten scheinen die hohen Ausschläge beendet.

Kunststoff

Derzeit besteht ein Mangel an vielen Kunststoffprodukten, dazu zählen u.a. Dämmmaterialien, Folien, aber vor allem auch Kunststoffrohre.

Hier sind die Ursachen vielfältiger: Rund die Hälfte der Produktionskapazitäten für die Grundstoffe der Kunststoffproduktion liegt in Asien. Hier wurden die Produktionskapazitäten erst im III. Quartal 2020 mit dem Anspringen der dortigen Konjunktur wieder hochgefahren. Aber ein wesentlicher Teil der Produktion gelangt nicht nach Europa, sondern in die im November 2020 ins Leben gerufene Freihandelszone RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), die größte der Welt.

Weiterhin sind Lieferketten infolge der Corona-Pandemie und des Lockdowns in Shanghai gestört, dem größten Hafen der Welt.

Störungen in der Produktion sowie Unterbrechungen in der Lieferkette, aber auch eine steigende Nachfrage nach Baustoffen führen zu steigenden Preisen und zur Baustoffknappheit in Deutschland.

Mineralische Baustoffe

Für die Preisentwicklung bei mineralischen Baustoffen, die größtenteils aus Deutschland beziehungsweise aus Europa kommen, lassen sich moderate Steigerungen konstatieren, obwohl in einigen Teilen Deutschlands bereits Versorgungsengpässe bei einzelnen Gesteinskörnungen festzustellen sind. Bei Ziegeln (+15 % zum Vormonat) und bei Dämmmaterial Vliesen (+9,8% zum Vormonat) sind aber zunehmende Dynamiken zu sehen.

Ein Beispiel für aktuelle Herausforderungen der heimischen Rohstoffversorgung stellt die Versorgung mit Gips für die Bauwirtschaft dar.

Die Hälfte des Gipsbedarfes in Deutschland wird derzeit mit REA-Gips, die restlichen Bedarfe mit Naturgips gedeckt. Mit der Reduktion der Kohleverstromung entfallen zukünftig auch große Kapazitäten zur Herstellung von REA-Gips, die aufgrund der unverändert hohen Nachfrage mit Naturgips oder Recyclingmaterial gedeckt werden müssen. Gipsrecycling wird den zukünftigen Bedarf vor allem auf Grund der geringen Mengen von recycelbaren Gipsabfällen nur in begrenztem Maße decken können.

Es ist Aufgabe der Politik, in einer nationalen beziehungsweise europäischen Rohstoffstrategie die Versorgung der deutschen Wirtschaft, und hier besonders der Bauwirtschaft, mit Rohstoffen sicherzustellen.

Für den Bereich der Primärrohstoffe bedeutet dies, dass ihr Abbau weiterhin möglich sein muss. Deutschland verfügt über genügend Rohstoffe, also Holz, Sand, Kies und Gips. Man muss diese nur nutzen dürfen. Das heißt, Kies- und Sandgruben sowie Abbaugebiete für Gips müssen weiterhin genehmigt und nicht als unnötiger Eingriff in den Landschaftsschutz abgelehnt werden.

Beim Bauen mit heimischen Rohstoffen entfallen lange Transportwege, der Ausstoß von Treibhausgasen wird reduziert. Die Verfügbarkeit von heimischen Baustoffen verringert die Abhängigkeit von den internationalen Rohstoffmärkten und den damit verbundenen Preis- und Lieferrisiken.

Darüber hinaus verbleiben die Wertschöpfung sowie Investitionen im eigenen Land. Die Umsetzung wichtiger Bauaufgaben im Wohnungsbau, der energetischen Sanierung, des Bau- und Ausbaus des deutschen Straßen- und Schienennetzes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele wird ermöglicht.

Stahl

Mit Beginn des Ukrainekrieges und der Sanktionen sind die Preise für Bau- und Hilfsstoffe stark angestiegen. Der Preisdruck generiert sich zum einen aus den sanktionierten Importen für Baustoffe aus Russland und Belarus sowie kriegsbedingt ausbleibenden Importen aus der Ukraine. Hiervon sind insbesondere Stahlprodukte betroffen. Dies ist auf die hohen Lieferanteile von Russland, der Ukraine und Belarus an den Stahlimporten zurückzuführen. Von den aus Drittländern eingeführten Stahlimporten in die EU stammten 2020 knapp 30 % aus diesen Ländern. Hinzu kommen die hohen Anteile an Roheisen (40 %) sowie diversen Rohstoffen für Stahl- Legierungen wie Nickel (25 %) und Titan (75 %).

Zum anderen ergibt sich ein erheblicher Druck auf die Preise aus den steigenden Energiekosten, die für die Produktion von Baustoffen fällig werden, infolge der von den Märkten eingepreisten, aber noch gar nicht realisierten Verknappung von Erdgas. Auch dies trifft insbesondere auf Stahlprodukte zu, hat aber inzwischen auch andere energieintensive Produkte, wie z.B. Zement, erreicht.

Preisentwicklung Material Oktober 2022Preisentwicklung_Material_Oktober-2022.pdf(30 Downloads)