Konjunkturentwicklung Bauhauptgewerbe: Prognose 2023

Konjunkturentwicklung Bauhauptgewerbe: Prognose 2023

Ende des Jahres 2021 haben wir gemeinsam mit dem ZDB sehr optimistisch auf die Baukonjunktur in 2022 geschaut. Die Lieferketten begannen wieder zu greifen, die Order nahmen wieder Fahrt auf und die Auftragsbücher füllten sich. Nach einem realen Umsatzrückgang von 6 % in 2021, prognostizierten wir für 2022 ein reales Wachstum im Umsatz des Bauhauptgewerbes bei +1,5 %.

Die Wiederingangsetzung der Lieferketten wurde jedoch jäh durch den Ukraine-Krieg und die daraufhin erfolgten Sanktionen gegen Russland unterbrochen. Schließlich setzte eine exorbitante Preissteigerung für Energiekosten ein, die die Lebenshaltungskosten, aber auch Baukosten antreibt. Parallel dazu haben sich die Zinsen für Immobilienkredite seit Jahresbeginn vervierfacht. Zudem sind die Logistikkapazitäten im weltweiten Handel immer noch nicht auf Vor-Corona-Niveau verfügbar.

Der Mix aus steigenden Bau-, Finanzierungs- und Lebenshaltungskosten schlägt zunehmend auf die Nachfrage nach Bauleistungen zurück. Die Baukonjunktur verliert an Schwung. Die Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft haben sich markant verschlechtert und trüben die Aussichten für die Baukonjunktur in 2023 deutlich ein.

Das spiegeln auch die Ergebnisse der gemeinsam mit dem ZDB durchgeführten Herbstumfrage mit mehr als 1.600 Unternehmensrückmeldungen wider.

Für das ablaufende Jahr 2022 rechnen wir mit einem Umsatz im Bauhauptgewerbe von knapp 158 Mrd. Euro, was einem nominalen Zuwachs um 9 % und einem realen Rückgang um 5,5 % entspricht. Trotz des realen Umsatzrückganges haben die Unternehmen weiter am Beschäftigungsaufbau festgehalten. Nach ca. 911.500 Beschäftigten in 2021 rechnen wir für 2022 mit ca. 917.000 Beschäftigten. Seit 2010 hat die Branche damit mehr als 200.000 Beschäftigte neu hinzugewonnen.

In den letzten Monaten zeigen die Frühindikatoren eine deutliche Abkühlung der Baukonjunktur an. Lag die Orderentwicklung im ersten Quartal 2022 noch bei real +4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, sank die Rate im zweiten Quartal auf -9,5 % und im dritten Quartal auf -15 %. Besonders dramatisch sind dabei die Raten im Wohnungsbau mit -16 % im zweiten und -24 % im dritten Quartal. Zudem ist in den nächsten Monaten mit einer anhaltend hohen Inflation und hohen Baufinanzierungskosten zu rechnen.

Für das Jahr 2023 rechnen wir mit einem Umsatz im Bauhauptgewerbe von knapp 155 Mrd. Euro, was einem nominalen Rückgang um 2 % und bei der veranschlagten Preisentwicklung von 5,5% einem realen Rückgang um 7 % entspricht. Insbesondere im Wohnungsbau kommt es nach den derzeitigen Rahmenbedingungen zu einer deutlichen Unterauslastung der in den letzten Jahren aufgebauten Kapazitäten. Die Unternehmen geraten damit in ein Spannungsfeld. Eine im Grunde intakte, aber eingebremste Nachfrage nach Bauleistungen erhöht wieder den Wettbewerbsdruck auf die Betriebe.

Der Kapazitätsaufbau in Personal und Geräte gerät ins Stocken. Nach unserer Umfrage sehen sich für 2023 viele Bauunternehmen unter den gegebenen Rahmenbedingungen veranlasst, ihre Investitionsengagements zu verschieben. Nur 7 % der Unternehmen erhöhen ihre Budgets in Maschinen, ca. 42 % wollen sie hingegen senken. Der Fokus liegt hier eher auf dem Ersatz als auf der Erweiterung des Maschinen- und Geräteparks.

Es droht die Gefahr, dass in 2023 der Beschäftigtenstand nicht gehalten werden kann. So sehen sich nach unserer Umfrage 15 % der Unternehmen zum Stellenabbau in 2023 veranlasst, gut 12 % der Unternehmen wollen den Beschäftigtenstand weiter aufbauen, über 70 % der Unternehmen wollen den Beschäftigtenstand halten.

Wenn es nicht gelingt, die Rahmenbedingungen für Bauinvestitionen zu stabilisieren, wird erstmalig seit 2009 wieder die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe sinken. Derzeit rechnen wir für 2023 mit ca. 910.000 Beschäftigten. Einem stärkeren Rückgang wirkt entgegen, dass die Unternehmen das ohnehin altersbedingte Ausscheiden vieler Mitarbeiter in den nächsten Jahren antizipieren. In den nächsten 10 Jahren werden ca. 150.000 Mitarbeiter altersbedingt die Branche verlassen.

Weitere Einzelheiten können der Übersicht entnommen werden.

Prognose 2022 2023221206-Prognose_2022_2023.pdf(114 Downloads)