Pressemitteilung

Weihnachtsgrüße des Hauptgeschäftsführers

Weihnachtsgrüße des Hauptgeschäftsführers

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder,

wir blicken zurück auf ein bewegtes Jahr 2020, das uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Gingen wir bei unserer Jahresauftaktveranstaltung im Januar 2020 gemeinsam mit dem Mitglied des Sachverständigenrats, Prof. Volker Wieland, von nur leichter Konjunktureintrübung aus, kam spätestens ab März alles anders. Eine globale Pandemie, deren Auswirkungen sich nicht allein auf Exporte und das Gesundheitssystem beschränkten, traf uns und den Rest der Welt ziemlich unvorbereitet.

Durch erhebliche Anstrengungen der Betriebe ist es uns gemeinsam in diesem Jahr mit den Sozialpartnern und der BG BAU gelungen, die Baustellen offen zu halten und die Mitarbeiter zu beschäftigen.

Die Umsatz- und Auftragsentwicklung gegen Ende des Jahres 2020 fällt sehr gemischt aus.

Am positivsten gestaltet sich der Bereich des Wohnungsbaus. Dafür sprechen die anhaltende Nachfrage sowie ein ohnehin bestehender Genehmigungsüberhang. Die auf dem Wohnungsgipfel umgesetzten Maßnahmen zu Sonderabschreibungen im Mietwohnungsbau sowie zum Baukindergeld haben sich positiv auf die Nachfrage ausgewirkt. Deshalb müssen diese Instrumente aus unserer Sicht verlängert werden. Sie haben sich bewährt.

Im Wirtschaftsbau waren die Corona-Auswirkungen deutlicher zu spüren. Seit März liegt die Nachfrage in jedem Monat unterhalb des Vorjahresniveaus. Kumulativ fehlen zum Vorjahr fast 6 %. Insbesondere der Wirtschaftshochbau hat im Jahresverlauf deutlich nachgelassen. Die Umsatzeinbrüche bei Industrie und Dienstleistung schlugen sich in einer zurückhaltenden Investitionsbereitschaft nieder. Der Wettbewerb um Aufträge hat erkennbar zugenommen.

Die öffentliche Hand muss ihre Bauherrenfunktion jetzt aktiv wahrzunehmen. Es bedarf eines Ausgleiches für den Wirtschaftsbau. Der kommunale Investitionsstau in Schulen, Kitas und kommunale Straßen steht seit Jahren bei fast 100 Mrd. Euro. Jetzt ist der Zeitpunkt, kräftig zu investieren und die wegbrechenden Aufträge im Wirtschaftsbau auszugleichen. Die Baubranche mit ihren starken mittelständischen Unternehmen ist Leistungsbereit – die öffentliche Hand muss ein Interesse daran haben, diesen Zustand zu erhalten.

Auch im Straßenbau müssen dringendst Projekte vergeben werden. Ein Investitionshochlauf auf der einen Seite und weniger Aufträge auf der anderen Seite - das passt nicht zusammen!

Der Straßenbau in Deutschland steht derzeit vor einem Wendepunkt. Am 01.01.2021 wird die neu gegründete Autobahn GmbH des Bundes offiziell ihre Arbeit aufnehmen. Nach eigenen Angaben fehlen der Gesellschaft noch rund 1.000 Mitarbeiter. Allein diese Zahl ist ein Indiz dafür, dass die Zeit für die Gründung und den Aufbau der Gesellschaft zu knapp bemessen war. Zumal es nicht damit getan ist, Mitarbeiter einzustellen. Wir blicken deshalb mit Sorge nach Berlin, wo die Gesellschaft ihren Hauptsitz hat. Nach derzeitigem Stand ist mit einem holprigen Start zu rechnen.

Nachdem die Bauwirtschaft dank der hohen Auftragsbestände zu Jahresbeginn glimpflich durch das Jahr 2020 gekommen ist, sind unsere Erwartungen für das kommende Jahr 2021 deutlich verhaltener. Aktuell gehen wir von einem Umsatzrückgang von rund 1 % (real 3 - 4 %) aus, nachdem wir das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von knapp nominal 2 % (real ca. -1 %) abschließen werden.

Ein positives Signal erreichte uns vorletzte Woche: Trotz der Corona-Pandemie hat sich der Bauausbildungsmarkt 2020 positiv entwickelt. Dies lag an einem regelrechten Schlussspurt am Ausbildungsmarkt. So wurden insbesondere im Oktober und November noch zahlreiche Ausbildungsverträge geschlossen. Möglicherweise hat die Unsicherheit aufgrund der Corona-Pandemie zu einem Aufschub der Vertragsabschlüsse geführt. Auch in Hessen konnten am Bau rund 100 Ausbildungsverträge mehr abgeschlossen werden als im Vorjahr.

Die Bauwirtschaft hat die Herausforderungen aus der Corona-Pandemie bisher gut gemeistert. Sie hat als wichtige Branche unserer Volkswirtschaft in entscheidendem Maße die Konjunktur gestützt. Nun kommt es darauf an, für das kommende Jahr 2021 die richtigen Weichen zu stellen und die konstante Auftragsvergabe zu sichern.

Ich wünsche Ihnen nunmehr noch ein erfolgreiches Restbaujahr und hoffe, dass Sie alle Arbeiten, die Sie sich für dieses Jahr vorgenommen haben, abschließen können. Zudem wünsche ich Ihnen ganz herzlich sowohl für Sie als auch für Ihre Familie und Mitarbeiter im Namen des Vorstandes ein schönes Weihnachtsfest, einige Tage der Ruhe und Besinnung und freue mich mit Ihnen das Jahr 2021 weiter gestalten zu können.

Mit den besten Grüßen

Rainer von Borstel

Hauptgeschäftsführer