Verbesserung der Liquidität durch Bonitätsauskünfte, Bürgschaften und Versicherungen

In Erwartung eines eher schwachen Wirtschaftsjahres wird es für Bauunternehmer noch wichtiger, die Bonität ihrer Kunden regelmäßig zu überprüfen. Zur Verbesserung der Liquidität sollten außerdem Sicherheitseinbehalte durch Bürgschaften abgelöst werden – am besten über eine Versicherung. Bei corona-bedingten Ausfällen helfen Versicherungen dagegen kaum.

Unter dem 20.03.2020 haben wir Ihnen unter der Überschrift "Erste Maßnahmen zur Sicherung des Betriebs" stichpunktartig Maßnahmen aufgelistet, um "das Geld im Betrieb zusammenzuhalten". Die betriebliche Liquidität zu erhalten, wird in den nächsten Monaten tägliche Aufgabe eines jeden Bauunternehmers sein. Angesichts der hohen Summen, mit denen Bauunternehmen umgehen, und der vergleichsweise geringen Margen sollte die Eindämmung von (Liquiditäts-)Risiken selbstverständlich sein.

Bonitätsauskünfte

Informationen über die Bonität des Kunden sind ein grundlegender Bestandteil des Forderungsmanagements im Bauunternehmen. Forderungsmanagement fängt nicht erst 30 Tage nach der Rechnungsstellung an, sondern schon bei der Auswahl des Kunden. Und dabei spielen Bonitätsauskünfte eine wichtige Rolle.

Betrachtet man die Bestandteile eines nachhaltigen Forderungsmanagements, so sichert die Auswahl des richtigen – zahlungsfähigen und zahlungswilligen – Kunden im Vorfeld des Vertragsabschlusses 90 % der späteren Forderung und der Abschluss eines gut ausgehandelten Bauvertrages weitere 9 %. Mahnschreiben, Klage und Vollstreckung tragen nur zu 1 % dazu bei, dass der Unternehmer für seine Leistungen auch bezahlt wird. Das heißt: Wenn nicht vorher schon darauf geachtet wurde, dass der Auftraggeber solvent ist, und der Bauvertrag juristisch einwandfrei und mit einem vorteilhaften Zahlungsplan ausgehandelt ist, dann können Mahnschreiben, Klage und Vollstreckung das Problem einer ausstehenden Forderung in der Regel auch nicht mehr lösen.

Bonitätsauskünfte werden angeboten z.B. von Creditreform, CRIFBürgel (ehem. Bürgel), aber auch von Warenkreditversicherern. Mehr Substanz haben, sagt die Branche, Auskünfte von Warenkreditversicherungen, z.B. Coface, Euler Hermes oder Atradius, weil diese Warenkreditversicherer gut vernetzt sind, weil sie breiter Daten erheben (auch über die Versicherungsnehmer selbst) und weil sie im akuten Versicherungsfall auch für ihre Einschätzungen haften müssen. Das ist der Sinn einer Warenkreditversicherung, mit der üblicherweise Lieferanten ihre Forderungen absichern. Dabei bieten Coface und Euler Hermes ihre Bonitätsauskünfte auch Unternehmen an, die selbst keine Warenkreditversicherung bei ihnen abgeschlossen haben.

Für weitere Informationen:

https://www.creditreform.de/loesungen/bonitaet-risikobewertung/bonitaet-unternehmen

https://www.crifbuergel.de/de/bonitaetsauskuenfte/kreditmanagement-b2b/bonicheck-kompakt

https://www.coface.de/Unsere-Loesungen/Wirtschaftsauskuenfte/B2B-Kunden

https://www.eulerhermes.de/produkte/kreditversicherung/bonicheck.html

Das Pendant zur Warenkreditversicherung wäre beim Bauunternehmen eine Forderungsausfallversicherung. Das Problem: Abschlagsrechnungen sind juristisch keine Forderung, sie sind nicht "einredefrei". Das heißt, der Bauherr kann eine Zahlung auf eine Abschlagsrechnung, eine "Anzahlung", auch wieder zurückfordern. Eine klassische Forderungsausfallversicherung, wie sie die o.g. Versicherer anbieten, würde also – wenn überhaupt – nur Schlussrechnungen abdecken. Das lohnt sich für viele Bauunternehmen nicht.

Das gleiche gilt für ein weiteres klassisches Finanzierungsinstrument, das Factoring: Auch hier können üblicherweise nur Forderungen aus Schlussrechnungen gefactort werden. In diesen Fällen kauft der Factor die Forderung an, bezahlt sie umgehend mit dem vertraglich vereinbarten Abschlag an das Unternehmen und treibt sie anschließend auf eigene Kosten beim Kunden ein. Wenn Bauforderungen überhaupt akzeptiert werden, dann auch hier nur aus Schlussrechnungen. Dem ZDB ist nur ein einziger Anbieter bekannt, der – in engen Grenzen – auch Abschlagsrechnungen von Bauunternehmen aufkauft. Bei Interesse wenden Sie sich bitte direkt an Frau Regine Maruska unter maruska@zdb.de.

Sicherheitseinbehalte ablösen

Eine deutliche Verbesserung der betrieblichen Liquidität lässt sich erreichen, wenn Bauunternehmen die Sicherheitseinbehalte, die der Bauherr zurückbehalten hat (10 % der Abschlagsrechnung für Vertragserfüllung bzw. 5 % der Schlussrechnung für Gewährleistung) durch Bürgschaften ablösen. Idealerweise wird der Bürgschaftsrahmen dafür nicht bei der Hausbank vereinbart (dort schmälert er nämlich die Spielräume für einen ggf. notwendig werdenden Betriebsmittelkredit/Kontokorrentlinie), sondern bei einer Versicherung.

Die VHV bietet als Versicherer der Bauwirtschaft außerordentlich günstige Bürgschaftsrahmen für Mitgliedsbetriebe unseres Verbandes an.

Für weitere Informationen und eine individuelle Beratung kontaktieren Sie bitte Herrn Michael Döhring, Gebietsleiter Bau / Vertriebsdirektion Bauwirtschaft der VHV Allgemeine Versicherung AG. Die Kontaktdaten finden Sie hier https://www.vhv-bauexperten.de/mdoehring.

 Weitere sog. Kautionsversicherer sind beispielsweise die R+V Versicherungen (https://cloud.ruv.de/online-buergschaft/), Euler Hermes, AXA Versicherungen und noch einige weitere mehr. Grundsätzlich haben die Versicherer gegenüber den Banken die besseren Konditionen.

Versicherungsschutz prüfen

Viele Bauunternehmen fragen sich, ob corona-bedingte Ausfälle, Betriebsunterbrechungen oder verspätete Materiallieferungen möglicherweise von einer ihrer Versicherungen abgedeckt sind. Die Antwort: „In der Regel nicht.“

Betriebsschließung wegen fehlender Mitarbeiter (krank / in Quarantäne)

Die Betriebsunterbrechungsversicherung (BU-Versicherung) zahlt nicht, weil dafür ein versicherter Sachschaden vorliegen müsste, der Auslöser für die Betriebsunterbrechung wäre, z.B. durch Brand, zerstörte Betriebsräume oder IT. „Fehlende Mitarbeiter“ stellen in diesem Sinne keinen Sachschaden dar. Etwas anders stellt sich das für diejenigen Unternehmen dar, die über eine „Betriebsschließungsversicherung“ verfügen:

Versicherungsexperten sagen, dass es hier Chancen gibt, schließungsbedingt aufgehäufte Kosten ersetzt zu bekommen. Diese Versicherung ist allerdings eher im Lebensmitteleinzelhandel, in der Gastronomie oder in Pflegeinrichtungen anzutreffen, denn der Auslöser für den Versicherungsfall können hier „infizierte Personen“ oder „verunreinigte Produkte“ sein. Die Versicherung greift, wenn eine Behörde deswegen den Betrieb schließt.

Betriebsschließung, weil Lieferanten aufgrund behördlicher Maßnahmen keine Materialien mehr liefern

Siehe oben: Es fehlt ein „Sachschaden“ als Auslöser für die BU. Daher zahlt die BU-Versicherung nicht.

Kann eine Betriebsunterbrechung durch Epidemien möglicherweise in Zukunft abgesichert werden?

Nur wenige Spezialversicherer bieten maßgeschneiderte Versicherungslösungen an, die jeweils auch nur eng definierte Szenarien versichern. Denkbar wären solche „sachschadenunabhängigen“ BU-Versicherungen auch für Epidemien. Allerdings würde eine solche Versicherungslösung einen längeren Verhandlungsprozess erfordern, eine sehr hohe Prämie sowie einen erheblichen Selbstbehalt.

Verzögerte Lieferungen oder Materialschäden wegen Lieferverzögerungen

Für die Verzögerung werden Lieferanten voraussichtlich nicht haftbar gemacht werden können, wenn es sich um „höhere Gewalt“ handelt. Ein Verschulden ohne "Vertreten-Müssen" gibt es juristisch nicht. Für Schäden am Liefergegenstand, wenn der nicht ordentlich gegen Wettereinflüsse oder Diebstahl gesichert war, wird der Lieferant dagegen wohl haften müssen.

Kinderbetreuung in den eigenen Betriebsräumen

Dürfte grundsätzlich durch die Betriebshaftpflicht im Rahmen der „betrieblichen Nebenrisiken“ abgedeckt sein. Unbedingt mit dem Versicherer und der Kommune absprechen.

Ungerechtfertigte Maßnahmen von Behörden

Können vor dem Verwaltungsgericht unter Inanspruchnahme der Firmen-Rechtschutzversicherung abgewehrt werden.

Fehler des Geschäftsführers bei der Krisenbewältigung: Haftet die D&O-Versicherung gegenüber dem Unternehmen?

Falls ein Organmitglied, also der Geschäftsführer, schuldhaft seine Pflichten verletzt hat (sog. Organisationsverschulden, z.B. keinen Notfallplan aufgestellt oder nicht rechtzeitig KUG beantragt) und es deswegen zu einem Vermögensschaden für das Unternehmen gekommen ist, besteht für das haftbar gemachte Organmitglied grundsätzlich Versicherungsschutz aus der D&O-Versicherung. Dabei reicht auch ein leicht fahrlässiges Organisationsverschulden durch Unterlassen. Einen Corona-Ausschluss gibt es in der D&O-Versicherung grundsätzlich nicht.

Die D&O-Versicherung würde die Abwehr unbegründeter Schadensersatz-Ansprüche des Unternehmens gegenüber seinem Geschäftsführer zahlen. Im Falle begründeter, gerichtlich festgestellter Schadensersatz-Ansprüche gegen den Geschäftsführer würde der D&O-Versicherer Schadenersatz ans Unternehmen leisten. Dass Unternehmen Schadenersatzansprüche durchsetzen können, ist aber nach Aussagen von Versicherungsexperten selten.