Gehaltsgebundene Kosten: Zuschlagsätze ab 1. Juni 2019 mit allen Anlagen, Berechnungen und Erläuterungen

Gehaltsgebundene Kosten: Zuschlagsätze ab 1. Juni 2019 mit allen Anlagen, Berechnungen und Erläuterungen

Der Zuschlagsatz für die gehaltsgebundenen Kosten wird immer dann benötigt, wenn für die Arbeit von Bauleitern, Polieren oder Angestellten die Kosten pro Stunde, Tag oder Monat berechnet werden sollen. Das ist z.B. der Fall bei der

  • Abrechnung nach Stundenaufwand für Bauleiter, Poliere oder Angestellte ("Preis einer Polierstunde");
  • Kalkulation, wenn in die Mittellohnberechnung Poliere und/oder Angestellte einbezogen werden ("Kosten eines Poliers pro geleisteter Arbeitsstunde");
  • Kalkulation von Polier- oder Bauleiterkosten als Teil der Baustellengemeinkosten ("Höhe der Baustellengemeinkosten bei 5-monatiger Bauzeit").

Dabei muss unterschieden werden zwischen

  1. dem Zuschlagsatz der gehaltsgebundenen Kosten, der sich auf der Basis der tatsächlich geleisteten bzw. der aufsichtführenden Arbeitszeit ergibt und
  2. dem Zuschlagsatz, der sich auf der Basis der Kalenderzeit ergibt.

Zu 1. Tatsächlich geleistete bzw. aufsichtführende Arbeitszeit:
Der Zuschlagsatz auf der Grundlage der tatsächlichen Arbeitszeit kommt in Frage, wenn die reine geleistete Arbeitszeit (ohne arbeitsfreie Tage!)

- zur Kalkulation der Gehaltskosten herangezogen wird oder
- als Abrechnungsbasis für Gehaltskosten dient (z. B. Abrechnung nach Stundenaufwand).

Beispiel 1: Bauunternehmer B wird von seinem Geschäftsfreund G gebeten, ihm für 16 Werktage im Rahmen der Kollegenhilfe einen Polier zu überlassen. B, der wegen schwacher Auftragslage seinen Polier M momentan ohnehin nicht auslasten kann, verleiht seinen Polier M, der ein monatliches Gehalt von 5.198 € bezieht, im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung an G. Um die bei B weiterlaufenden Gehaltskosten von M decken zu können, muss B mindestens 416,80 € pro Tag für M an G weiterberechnen, denn pro produktiv gearbeiteter Polier-Stunde fallen rund 52,10 € Gehaltskosten bei B an.

5.198 € Gehalt pro Monat bei 170,3 Arbeitsstunden, wenn kein Urlaub oder dgl. genommen wird

30,52 € anteiliges Gehalt pro Arbeitsstunde
+ 70,70% Gehaltsgebundene Kosten (s. Anlage 1a)
52,10 € Gehaltskosten pro Produktiv-Stunde
entspricht 416,80 € Gehaltskosten pro Arbeitstag (8 Stunden)

Der Zuschlagsatz für gehaltsgebundene Kosten bei Polieren, berechnet auf der Grundlage der aufsichtführenden Arbeitszeit, ist immer dann zutreffend, wenn bei der Kalkulation mit dem Mittellohn AP gerechnet wird: In diesem Fall werden auch Schlechtwettertage als Umlage verrechnet. Obwohl der Polier bei Schlechtwetter mit anderen Arbeiten befasst sein kann, ist diese Rechenweise – die regelmäßig zu sehr hohen Zuschlagsätzen führt –erforderlich, da der Polier als Teil der Arbeitstruppe, für die der Mittellohn AP bestimmt wird, eben nur genauso viele Stunden arbeiten kann wie alle anderen Facharbeiter und Helfer der Truppe auch, die ggf. bei Schlechtwetter ihre Tätigkeit einstellen. Die Kosten eines Poliers sind, wenn sie in den Mittellohn AP hineingerechnet werden, dementsprechend hoch, weil die Berechnung des Mittellohns AP die Annahme impliziert, dass auch der Polier nur so viele Stunden arbeitet wie der Rest der Arbeitstruppe.

Zu 2. Kalenderzeit:
Der Zuschlagsatz auf Basis der Kalenderzeit ist zu nutzen, wenn anhand der Baustellengehälter die Baustellengemeinkosten über den Kalenderzeitraum berechnet werden sollen. Die Basis ist hierbei das Monatsgehalt, das neben der tatsächlichen Arbeitszeit auch die Sonntage, Samstage, Feiertage, Ausfalltage sowie Krankheits- und Urlaubstage umfasst.

Beispiel 2: Bauunternehmer B benötigt seinen Polier P für 5 Monate Bauzeit bei einem Neubau. Das Monatsgehalt von P beträgt 5.198 €. B muss bei der Berechnung der Baustellengemeinkosten mindestens monatliche Polierkosten in Höhe von 7.016,78 € ansetzen (5.198 € zzgl. 34,99 % gehaltsgebundene Kosten lt. Anlage 2a).

Plausibilitätskontrolle zum Beispiel 1 (Achtung Rundungsdifferenzen):
Werden alle in 2019 zur Verfügung stehenden produktiven Tage, nämlich 202 Tage, zu je 416,80 € (s. Beispiel 1 oben) weiterberechnet, so kann B die gesamten Gehaltskosten seines Poliers M decken:
Die Gehaltskosten von M betragen 84.201 € pro Jahr [(5.198 € x 12 Monate) zzgl. 34,99 % gehaltsgebundene Kosten lt. Anlage 2a]. 416,80 € pro Tag x 202 produktive Tage ergibt 84.194 €.

Neuberechnung zum 01.06.2019
Den Musterberechnungen im Anhang (Anlagen 1a, 1b, 2a und 2b) sind die gültigen Tarife der Gruppe A VIII zugrunde gelegt. Das sind für die

  • alten Bundesländer (ab Mai 2018): 5.198 € Tarifgehalt pro Monat und für die
  • neuen Bundesländer (ab Juni 2019): 4.921 € Tarifgehalt pro Monat.

Das Tarifgehalt A VIII wurde deshalb der Musterberechnung zugrunde gelegt, um das Beispiel auf der Basis eines Gehaltes durchzurechnen, das die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung (KV und PV) übersteigt. Dadurch dass das zugrunde gelegte Tarifgehalt A VIII die Beitragsbemessungsgrenze in der KV und PV in Höhe von aktuell 4.537,50 € übersteigt, ist der Prozentanteil, den der Krankenkassen- oder Pflegeversicherungsbeitrag am Tarifgehalt ausmacht, geringer (hier: 6,4 % bzw. 1,26 %) als beim Zugrundelegen des Tarifgehaltes A VI (7,75 % bzw. 1,525 %), das unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegt.

Anlage 4 zeigt die Zuschlagsätze auf der Basis des Tarifgehaltes A VI und auf der Basis des Tarifgehaltes A VIII im Vergleich.

Fazit: Bei höheren oder niedrigeren Gehältern als den im Beispiel verwendeten Tarifgehältern verändern sich auch die prozentualen Zuschlagsätze. In diesen Fällen ist eine betriebsindividuelle Berechnung auf der Basis unserer Musterberechnung zu empfehlen.

Beitragsbemessungsgrenzen 2019

  • Renten- und Arbeitslosenversicherung:

Alte Bundesländer:           6.700,00 €
Neue Bundesländer:        6.150,00 €

  • Kranken- und Pflegeversicherung:

Alte und neue Bundesländer: 4.537,50 €

Für Bauleiter im Bauwerksbau (Tarifstelle 100) gelten aufgrund der Gefahrenklasse 12,58 in der Berufsgenossenschaft Gehaltszuschläge wie für Poliere und Schachtmeister. Der BG-Beitrag beläuft sich für sie ebenfalls auf 5,68%.

Die Zimmerer (Tarifstelle 110) sind bei der BG in einer höheren Gefahrenklasse eingestuft (18,12). Für Bauleiter, Poliere und Schachtmeister des Zimmerergewerks lautet der BG-Beitrag daher 8,09 %. Die resultierenden Zuschlagsätze für Zimmerer stehen in der Tabelle unten in Klammern.

Nur technische Angestellte im Büro haben aufgrund der niedrigen Gefahrenklasse (0,47) mit 0,41 % einen sehr geringen BG-Beitrag.

Gegenüber dem Vorjahr sind die Zuschlagsätze leicht gestiegen. Das liegt in erster Linie an den im Tarifabschluss 2018 vereinbarten Einmalzahlungen (siehe Zeile 2.1.20 in den Anlagen).

Die Zuschlagsätze für gehaltsgebundene Kosten auf das Tarifgehalt A VIII betragen auf Basis der tatsächlichen bzw. aufsichtführenden Arbeitszeit (siehe auch Anlagen 1a und 1b):

tatsächliche Arbeitszeit aufsichtführende Arbeitszeit
in % auf Basis der Gehaltskosten kaufm. und techn. Angestellte im Büro Bauleiter, Poliere und Schachtmeister

(Zim)

Bauleiter, Poliere und Schachtmeister (Zim)
Alte Bundesländer 63,31 70,70 (73,96) 74,68 (78,02)
Neue Bundesländer 56,09 63,16 (66,28) 67,09 (70,27)

Die Zuschlagssätze auf das Tarifgehalt A VIII betragen auf Basis der Kalenderzeit (siehe auch Anlagen 2a und 2b):

Kalenderzeit
in % auf Basis der Gehaltskosten kaufm. und techn. Angestellte im Büro Bauleiter, Poliere und Schachtmeister (Zim)
Alte Bundesländer 29,16 34,99 (37,57)
Neue Bundesländer 22,76 28,32 (30,77)

Um den kalkulatorischen Gesamtzuschlag und auf dessen Basis den Stundenkostensatz eines Angestellten zu bestimmen, sind den gehaltsgebundenen Kosten betriebsindividuell anteilige allgemeine Geschäftskosten hinzuzurechnen.

Anlagen:

Gehaltsgebundene Kosten 2019Gehaltsgebundene-Kosten-2019.pdf(21 Downloads)