Aktuelle Preisentwicklung bei Baustoffen und Bauleistungen

Aktuelle Preisentwicklung bei Baustoffen und Bauleistungen

Das Statistische Bundesamt hat die neuen Erzeugerpreisindizes für gewerbliche Produkte per Juni 2021 veröffentlicht. Die Erzeugerpreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahreswert insgesamt um durchschnittlich 8,5 %. Hauptverantwortlich für den Anstieg der gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber Juni 2020 war die Preisentwicklung bei den Vorleistungsgütern und bei Energie. Unter Vorleistungsgüter fallen Produkte die auch in der Bauwirtschaft zur Produktion erforderlich sind, wie Stahl und Holz.

Besonders hoch waren die Preisanstiege im Juni gegenüber dem Vorjahr bei metallischen Sekundärrohstoffen aus Eisen-, Stahl- und Aluminiumschrott (+88,1 %) und bei Nadelschnittholz (+84,6 %), aber auch bei Betonstahl in Stäben (+62,3 %). Metalle waren im Durchschnitt insgesamt 26,3 % teurer als ein Jahr zuvor. Die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen waren 41,9 % höher, Nichteisenmetalle und deren Halbzeug kosteten 25,1 % mehr. Auch die Erzeugerpreise für chemische Grundstoffe wiesen ein starkes Plus gegenüber dem Vorjahresmonat auf (+18,8 %). Hauptgrund für den starken Anstieg der Preise ist die hohe Nachfrage im In- und Ausland im Konjunkturaufschwung nach dem globalen Lockdown infolge der Corona-Pandemie. Globale Lieferketten müssen erst wieder in ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage kommen. Überbevorratungen und logistische Engpässe bremsen diesen Prozess zum Teil.

Die deutlichen Preissteigerungen für Baustoffe haben sich auch im Juni weiter fortgesetzt. Besonders dynamisch war der Anstieg mit 85 % bei Schnittholz gegenüber dem Vorjahr. (Im Vormonat lag der Anstieg bei 51 %). Gegenüber Dezember 2020 liegt der Anstieg bei +74 %. Auch der Anstieg bei Betonstahl fällt im Juni gegenüber dem Juni 2020 mit +63 % steiler aus als noch im Vormonat (+44 %). Auch bei Kunststoffen hat sich der Trend zu weiteren Preissteigerungen fortgesetzt: Bei Styrolen (Grundmaterial für Dämmstoffe) lag die Entwicklung zum Vorjahr bei +37 % (Vormonat noch +30 %) bei Polyurethanen (Grundmaterial für Kunststoffrohre) lag die Entwicklung zum Vorjahr bei +23 % (Vormonat +21 %). Hingegen fällt das Tempo bei Bitumen, aktuell leicht ab, bleibt aber sehr hoch. Im Juni lag die Steigerung gegenüber dem Vorjahr bei 57 %, im Vormonat waren es noch +64 %.

Eine eher stetige und deutlich unterdurchschnittliche Entwicklung ist bei den mineralischen Baustoffen wie Kies, Sand, Zementen und Gips zu verzeichnen. Hier liegen die Steigerungsraten zum Vorjahr bei +3 % bis +4 %.

Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass es sich bei den vorgenannten Preisentwicklungen um den Erzeugerpreisindex, d.h. die Meldungen von Produzenten in Deutschland handelt. Es sind nicht die Preise die Bauunternehmer beim Handel bezahlen. Die Preispannen liegen hier häufig weiter deutlich höher. So liegt, nach Informationen aus Unternehmen, der Preis für Betonstahl derzeit noch deutlich über 1.000 Euro/t. Das ist mehr als das Doppelte des Preises vom Dezember und Juni des Vorjahres.

Die aufgeführten Preissteigerungen bei den Einkaufspreisen beginnen sich in den Verkaufspreisen für Bauleistungen nieder zu schlagen. So haben die Preise für Rohbauarbeiten an Wohngebäuden im Mai 2021 gegenüber dem Vorjahreswert um 7,3 % zugelegt. Im Februar lag die Steigerungsrate noch bei 3,1 %. Für Bürogebäude lag die Steigerung im Mai bei 6,2 %; (Feb +3,1 %), für Betriebsgebäude im Mai bei 6,6 %; (Feb 3,1 %). Im Straßenbau gelingt es deutlich schlechter, die Einkaufspreise an den Markt weiter zu geben. Hier lag die Preissteigerung für Bauleistungen im Mai bei 2,4 %, im Februar bei +1,5 %. Hier scheint der Wettbewerb um Aufträge deutlich härter zu sein; oder anders formuliert: Es kommen zu wenig Aufträge an den Markt.

Eine Übersicht zur Preisentwicklung bei den Einkaufspreisen für Baustoffe (Erzeugerpreisindex) zum Juni 2021 und der Verkaufspreise für Bauleistungen zum Mai 2021, entsprechend den Meldungen des Statistischen Bundesamtes, haben wir beigefügt. (Bei dem Ausweis des Erzeugerpreisindex ist am aktuellen Rand jeweils der Juni-Wert ausgewiesen. Wegen der längerfristigen Darstellung seit 2010 erscheint die Skalierung hier nicht monatsgenau.) Der Erzeugerpreisindex wird ohne Umsatzsteuer ausgewiesen, die Verkaufspreise inkl. Umsatzsteuer. Letzteres erklärt auch das Absacken der Verkaufspreise im zweiten Halbjahr 2020 infolge der temporären Absenkung des Mehrwertsteuersatzes.

Preisentwicklung Erzeugerpreise und Verkaufspreise (Juni 2021)Preisentwicklung_Erzeugerpreise_und_Verkaufspreise_Juni_2021.pptx(19 Downloads)