Aktuelle Entwicklung Preise für Baustoffe; Stahl, Holz und Dämmstoffe

Aktuell zeigen sich deutliche Preissteigerung beim Einkauf von Baumaterialien wie Stahl, Holz und Dämmstoffen. Eine wesentliche Ursache ist das Herunterfahren der Produktionskapazitäten weltweit gehandelter Baustoffe infolge der Corona-Pandemie einerseits und das nichtsynchrone Hochfahren der Kapazitäten entsprechend der Nachfrageentwicklung andererseits.

Bauunternehmen registrieren bei Preisanfragen zu verschiedenen Baumaterialien seit dem vierten Quartal 2020 Preissteigerungen vor allen Dingen bei Stahl, Holz und auch Dämmstoffen. Der Trend spiegelt sich auch in den vom Statistischen Bundesamt erfassten Preisentwicklungen für diese Baustoffe wieder. Die Datenreihen liegen hier allerdings erst bis zum Januar 2021 vor. Die Preisentwicklung hat aber im ersten Quartal 2021, nach Rückmeldungen aus den Bauunternehmen, teilweise noch einmal an Dynamik zugenommen. Dies betrifft insbesondere Holzprodukte und Dämmstoffe, bei denen auch von Lieferschwierigkeiten berichtet wird.

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zeigt sich folgende Entwicklung gegenüber dem Stand zum September 2020; (Tabelle):

Preisentwicklung; Veränderung zu Jan 2021

ggü. September
2020
ggü. Januar
2020
Fichten-, Tannenschnittholz
10,32 %
10,55 %
Holz, gesägt und gehobelt
7,35 %
6,59 %
Furnier-, Sperrholz-, Holzfaser-, Holzspanplatten
1,44 %
0,30 %
Dieselkraftstoff (f. Straßen- u. Schienenfahrzeuge)
15,77 %
-5,96 %
Bitumen aus Erdöl
2,77 %
7,67 %,
Mineralölerzeugnisse
14,85 %
-6,98 %
Polymere des Styrols, in Primärformen
1,93 %
-6,95%
Betonstahl in Stäben, warmgewalzt
22,06 %
17,00 %
Zement, Kalk, gebrannter Gips
0,99 %
2,85 %
Erzeugnisse aus Beton, Zement und Gips
1,32 %
3,04 %
Kies und Sand, gebrochene Natursteine
1,42 %
4,03 %

 

Bei einem Blick auf die längerfristige Preisentwicklung von global gehandelten Baustoffen (Stahl, erdölbasierte Produkte wie Bitumen und Dämmstoffe) zeigt sich eine hohe Volatilität. Zu hohen Preisschwankungen kommt es immer dann, wenn große Hersteller den Markt "fluten"; (Preise fallen), oder andererseits große Nachfrager den Markt "absaugen"; (Preise steigen); (siehe beigefügte Abbildungen).

 


Dem derzeitigen Szenario liegt zugrunde:

1. Im Zusammenhang mit der weltweiten Ausbreitung der Corona-Pandemie wurden im ersten Halbjahr 2020 infolge des Nachfrageeinbruchs weltweit Produktionskapazitäten heruntergefahren.

2. Insbesondere mit dem in Gang kommen der Konjunktur in China im dritten Quartal 2020 wuchs die Nachfrage schneller, als weltweit die Produktionskapazitäten wieder hochgefahren werden konnten. Das Anfahren der Produktionskapazitäten im vierten Quartal wurde zudem durch den Wintereinbruch in den USA erschwert.

Bei den stark regional, d.h. in Deutschland bzw. Europa, produzierten und verbrauchten mineralischen Baustoffen zeigt sich keine Volatilität bei der Preisentwicklung. Die stetige Aufwärtsentwicklung der Einkaufspreise für Kies, Sand, Zement und Beton folgt hier der Baukonjunktur; (siehe auch Abbildung).

           

Namentlich für die Preisentwicklung bei Stahl wird die im dritten Quartal 2020 angesprungene Nachfrage in China als Preistreiber von Analysten ausgemacht. China wurde vom Stahlexporteur zum Stahlimporteur. Zudem wurde in China der Export von Stahlschrott verboten. Im vierten Quartal 2020 wurde die weltweite Stahlproduktion zwar schon wieder um 10 % gesteigert, trotzdem gab es weltweit im Jahr 2020 einen Rückgang bei der Stahlproduktion. Analysten machen darauf aufmerksam, dass, trotz der derzeit nicht synchronen Entwicklung von Angebot und Nachfrage, grundsätzlich das Problem weltweiter Überkapazitäten bei der Stahlproduktion bestehen bleibe. Es wird daher tendenziell im Jahresverlauf mit wieder nachlassender Preisentwicklung gerechnet. (Der Zeitpunkt für die Trendumkehr kann hier nicht veranschlagt werden.)

Bei aus Erdöl verarbeiteten Baustoffen wie Bitumen und Dämmstoffen sind zwei Aspekte für die Preisentwicklung wesentlich. Zum einen steigt der Preis für das Grundprodukt Erdöl infolge der weltweit anziehenden Nachfrage. Zum anderen sind große Produktionsanlagen für Dämmstoffe in den USA infolge des Wintereinbruchs aus der Produktion gefallen. Im ersten Quartal hat sich die Versorgungslage in den Vorproduktestrecken von Styrol-Erzeugnissen verschärft. Analysten sehen auch erst im Jahresverlauf wieder eine moderatere Preisentwicklung. (Der Zeitpunkt für die Trendumkehr kann hier nicht veranschlagt werden.)

Die Marktsituation bei Holzprodukten ist derzeit schwierig und auch von Lieferengpässen geprägt. Seit gut einem Jahr werden große Mengen an Schnittholz in die USA exportiert, weil dort pandemiebedingt Sägewerke geschlossen sind. Großflächige Waldbrände kamen hinzu. Hingegen sind es langfristige Lieferverträge mit China, die weiteres Rundholz der heimischen Versorgung entziehen. Der Export von Schnittholz ist in 2020 von rund 7 Mio. m3auf 9,6 Mio. m3 angestiegen. Die USA sind mit rund 2 Mio. m3 der Hauptabnehmer und haben ihren Import von Schnittholz aus Deutschland um 55 Prozent gesteigert. Der Frischholzeinschlag ist, in der Erwartung steigender Preise, reduziert worden. Die Bauaktivitäten allgemein sowie der Bedarf an Holz liegen aber auf hohem Niveau. Der Holzhandel geht von weiteren Preissteigerungen aus.

 

Festzustellen ist, dass der Handel zunehmend seine Angebote für diese Baustoffe zeitlich befristet. Die Empfehlung an Bauunternehmer lautet daher, Angebote an Bauherren ebenso zu befristen.