Ergebnisse der ZDB-Umfrage: Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bauwirtschaft

Der ZDB und wir möchten Sie gern noch wirkungsvoller im Hinblick auf die Folgen der Corona-Pandemie unterstützen. In diesem Zusammenhang hatten wir Sie mit E-Mail vom 17. April 2020 darum gebeten, sich kurz Zeit für eine aktuelle Umfrage zu den Auswirkungen und Herausforderungen der Corona-Pandemie auf die Bauunternehmen zu nehmen. Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

An der Umfrage haben sich knapp 2.600 Unternehmen beteiligt. Knapp 50% der Unternehmen hatten bis zu 10 Beschäftigte, knapp ein Viertel hatte zwischen 11 und 20 Mitarbeiter, 16% hatten zwischen 21 und bis zu 50 Mitarbeiter, gut 10% hatten mehr als 50 Mitarbeiter.

Die Unternehmen haben zusammengefasst folgende Aussagen getroffen:

Frage 1: In welchem Maße sehen Sie den Baustellenbetrieb gestört?

Die Bauwirtschaft unternimmt gegenwärtig große Anstrengungen, um den Baustellenbetrieb aufrecht zu erhalten. Nach der Umfrage läuft der Baustellenbetrieb überwiegend, wenn auch die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsvorschriften zusätzlichen Aufwand erfordern, sodass die Arbeiten nicht mit der üblichen Produktivität umgesetzt werden können. Nur gut 20% der Unternehmen sehen den Baustellenbetrieb gar nicht gestört, 10% sehen ihn erheblich und fast 70% sehen ihn wenig gestört.

Frage 2: Verzeichnet Ihr Unternehmen bereits einen Umsatzrückgang?

Rund einen Monat nach Beginn der massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland, mit massiven Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb in vielen Bereichen der Volkswirtschaft, verzeichnen bereits gut 30% der Unternehmen Umsatzrückgänge. Knapp 70% sehen diese noch nicht.

Frage 3: Verzeichnet Ihr Unternehmen bereits Auftragsstornierungen?

Noch deutlicher fällt das Votum zu den Auftragsstornierungen aus. Knapp 40% der Unternehmen sind davon betroffen.

Frage 4: Sehen Sie die Auftragslage nachhaltig gefährdet?

Während die Auftragslage zu Beginn des Jahres in allen Bausparten gut war und im Januar und Februar noch zu steigenden Umsätzen geführt hat, sehen die Unternehmen im Jahresverlauf einem Auftragsrückgang in allen Sparten entgegen. Dies ist plausibel. Dem Wirtschaftsbau werden die Impulse aus den ihn bisher tragenden Säulen des Dienstleistungsbereiches (besonders Handel und Gastronomie) fehlen. Aber auch die Bestellungen aus der Industrie werden angesichts des Shutdowns in erheblichem Maße ausbleiben. Den Kommunen, als dem wichtigsten öffentlichen Auftraggeber, brechen die Gewerbesteuereinnahmen und Einnahmen und Gebühren aus kommunalen Betrieben weg. Dies wird ihre Investitionsbereitschaft erheblich einschränken. Und im Wohnungsbau bleibt abzuwarten, wie private Investoren im Eigenheimbau auf die Situation am Arbeitsmarkt reagieren und inwieweit sich institutionelle Anleger, auch vor dem Hintergrund des benötigten Finanzierungsbedarfs, noch nachhaltig zu ihren Projekten bekennen.

Frage 5: Verzeichnet Ihr Unternehmen einen erhöhten Krankenstand?

Auf fast 20% der Unternehmen trifft dieser Befund zu.

Frage 6: Verzeichnet Ihr Unternehmen Schwierigkeiten bei Zulieferungen von Material und/oder Leistungen?

Fast die Hälfte der Unternehmen (43%) haben Schwierigkeiten bei der Zulieferung von Material. Offensichtlich sind Lieferketten zunehmend gestört. Der Shutdown führt zu Ausfällen in der Zulieferindustrie und im Handel. Die Anmerkungen zu dieser Umfrage (siehe Frage 10) zeigen, dass dieses Problem eine bedeutende Herausforderung ist.

Frage 7: Sind Sie von Einschränkungen/Ausfällen auf der Auftraggeberseite betroffen?

Ebenfalls knapp die Hälfte der Unternehmen (43%) sind von Einschränkungen/Ausfällen auf der Auftraggeberseite betroffen. Wenn Ämter nicht besetzt sind bzw. in Homeoffice gearbeitet wird, stockt die Erteilung von u.a. Baugenehmigungen oder/und Genehmigungen zur Einrichtung von Baustellen etc. Baustellenbesprechungen mit den Bauherren fallen ebenso aus wie Bauabnahmen aus. Insbesondere ausbaunahe Gewerke berichten zudem, keinen Zutritt mehr zur Baustelle zu haben. Mit Verweis auf den Coronavirus wird dieser verweigert.

Frage 8: Ist Ihr Unternehmen vom Ausbleiben ausländischer Arbeitnehmer, Subunternehmer oder ausländischer ARGE-Partner betroffen?

Etwa 12% der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen ist vom Ausbleiben ausländischer Arbeitnehmer, Subunternehmer oder ausländischer ARGE-Partner betroffen. Dies hat dann vielfach gravierende Auswirkungen auf den Baustellenbetrieb bis hin zum Stillstand.

Frage 9: Welche der angebotenen Finanzhilfen/Instrumente nutzt Ihr Unternehmen?

Bund und Länder haben zur Unterstützung der Unternehmen und zur Abfederung der negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie eine Reihe von Instrumenten und Finanzhilfen geschaffen. Bei der Frage zur Nutzung dieser Werkzeuge konnten die Umfrageteilnehmer mehrere Antworten geben.

Zwei Drittel der Unternehmen nutzen bisher keine der angebotenen Hilfen. Am häufigsten wird das Instrument der Kurzarbeit genutzt. Knapp ein Viertel der Unternehmen hat Kurzarbeit zumindest schon angezeigt. Steuererleichterungen und nicht rückzahlbare Zuschüsse nutzen jeweils etwa 10%. Kaum genutzt werden Kredite (3%).

Frage 10: Die Unternehmen waren in einer abschließenden Frage gebeten, Stichworte zu besonderen Herausforderungen zu geben.

Mehr als 2.000 der insgesamt fast 2.600 Unternehmen haben hierzu Anmerkungen gemacht. Dies deutet an sich schon auf ein hohes Maß an Sensitivität zum Thema Shutdown der Wirtschaft hin. Die Antworten können in folgenden Clustern zusammengefasst werden:

Die Unternehmen haben auch in ihren Anmerkungen noch einmal deutlich gemacht, welcher hoher organisatorischer Aufwand getrieben wird, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und doch gleichzeitig möglichst produktiv den Baustellenbetrieb zu erhalten. Als Herausforderungen werden hier u.a. genannt:

  • Mehraufwand auf der Baustelle zur Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen (als Beispiele Pausengestaltung, Einführung Schichtsystem, permanentes Desinfizieren von Werkzeugen und Baumaschinen);
  • Mehraufwand bei Fahrten und Unterbringung;
  • Abstimmungen mit Kunden und Lieferanten, Umorganisationen im Ablauf der Baustellen wegen fehlendem Personal und Material, Sicherung von Terminen.

Die Unternehmen treibt die Sicherung des Auftragsvorlaufes um. Bereits jetzt schon verzeichnete Auftragsstornierungen bedeuten einen erhöhten Aufwand, zusätzliche Aufträge zu beschaffen. Die Unternehmen sehen eine schwindende Planungssicherheit. Der erwartete Auftragsrückgang wird zudem zu einem erhöhten Wettbewerb führen, der zu sinkenden Preisen für Bauleistungen führt.

Vielfach angesprochen wurden zudem Herausforderungen wie:

  • die Motivation der Mitarbeiter angesichts der Ungewissheit über die Entwicklung, insbesondere dem Ende des Shutdowns;
  • das Vorantreiben der Digitalisierung im Unternehmen, um Arbeitsabläufe zwischen Büro und Baustellen abzusichern;
  • die Beschaffbarkeit von Arbeitsschutzmaterial und hier insbesondere Masken;
  • die Unterbrechung der Lehre und die adäquate Beschäftigung von Lehrlingen.

Hier finden Sie die detaillierten Ergebnisse:

Corona Auswirkungen Baubetriebe ZDB-Umfrage Ergebnisse vom 27.04.2020200427-Auswirkungen-Corona-Umfrage.pdf(222 Downloads)