100%-Garantien des Staates bei Mittelstandskrediten

Die Bundesregierung vereinfacht die Kreditvergabe an den Mittelstand durch 100%-Garantien des Staates. Ferner gelten die guten Konditionen des KfW-Sonderprogramms 2020 nun auch für die Landesförderinstitute.

Es hat sich erwiesen, dass die Hausbanken trotz einer Haftungsbeschränkung auf 10% (KMU) bzw. 20% noch immer strenger bei der Bonitätsprüfung unterwegs sind, als es von der Bundesregierung bei der Konzeption des Maßnahmenpakets beabsichtigt und angekündigt war. Insbesondere beschränkten sich die Hausbanken bei der Kreditprüfung nicht allein darauf festzustellen, ob das Unternehmen bis zum Eintritt der Corona-Krise kreditwürdig war. Stattdessen wurden nach Angaben des Handelsblatts von den Banken Szenarien durchgespielt, nach denen ein Unternehmen, das einen Kredit beantragt, auch nach 3 bzw. 6 Monaten krisenbedingter Ausfälle noch dazu in der Lage sein muss, den Kredit innerhalb von 5 Jahren zu tilgen. Aus naheliegenden Gründen ist das nur bei wenigen Unternehmen der Fall.

Die Bundesregierung hat daher weitere Hilfen für den Mittelstand beschlossen: Auf Basis des am 3. April 2020 von der EU-Kommission veröffentlichten angepassten Beihilferahmens (sog. Temporary Framework) führt die Bundesregierung umfassende "KfW-Schnellkredite" für den Mittelstand ein, bei denen der Staat 100% der Kreditrisiken übernimmt, so dass keine eigene Bewertung der Hausbank mehr notwendig ist. Hierüber haben wir am 6. April 2020 berichtet.

Die Schnellkredite seien bereits ab Donnerstag, den 9. April 2020 verfügbar, heißt es aus dem BMWi.

Mit dem neuen Schnellkredit-Programm sollen vor allem mittelständische Firmen einfacher mit der dringend notwendigen Liquidität versorgt werden. Es sieht vor, dass die Banken Kredite ohne Prüfung der weiteren Entwicklung des Antragstellers vergeben können. Eine Prüfung erfolgt ausschließlich auf Basis von Vergangenheitsdaten, so die KfW (siehe unten). Ohne eine langwierige Kreditprüfung können die Kredite dann auch schneller ausgezahlt werden.

Unter der Voraussetzung, dass ein mittelständisches Unternehmen im Jahr 2019 oder im Durchschnitt der letzten drei Jahre einen Gewinn ausgewiesen hat, soll ein „KfW-Schnellkredit“ mit folgenden Eckpunkten gewährt werden:

  • Der Schnellkredit steht mittelständischen Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten zur Verfügung, die mindestens seit 1. Januar 2019 am Markt aktiv gewesen sind.
  • Das Kreditvolumen pro Unternehmen beträgt bis zu 3 Monatsumsätze des Jahres 2019, maximal 800.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl über 50 Mitarbeitern, maximal 500.000 Euro für Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von bis zu 50.
  • Das Unternehmen darf zum 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten gewesen sein und muss zu diesem Zeitpunkt geordnete wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen.
  • Zinssatz in Höhe von aktuell 3% mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Zwei Jahre davon sind tilgungsfrei.
  • Die Hausbank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100% durch die KfW, abgesichert durch eine Garantie des Bundes. Im Gegenzug verzichten die Hausbanken auf jede Form und jeden Umfang einer Besicherung, so die KfW.
  • Die Kreditbewilligung erfolgt ohne Fortführungsprognose durch Hausbank oder KfW allein auf Basis von Vergangenheitsdaten. Hierdurch kann der Kredit schnell bewilligt werden.
  • Eine Kombination der Schnellkredite mit anderen KfW-Krediten oder Hilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ist nicht möglich. Ein Schnellkredit könne aber später auf einen zinsgünstigeren Kredit aus dem KfW-Sonderprogramm 2020 umgeschuldet werden.

Erleichterungen beim KfW-Sonderprogramm 2020

Auch bei dem bereits vor zwei Wochen beschlossenen "KfW-Sonderprogramm 2020" mit 80% bzw. 90% Haftungsfreistellung durch die KfW sollen die Hausbanken bei der Kreditprüfung künftig auf die Fortführungsprognose verzichten und lediglich das Vorhandensein "ordentlicher wirtschaftlicher Verhältnisse zum 31.12.2019" prüfen. Zudem soll die Laufzeit der Kredite von 5 auf 6 Jahre erhöht werden.

Konditionen des KfW-Sonderprogramms 2020 nun auch bei den Landesförderinstituten

Die EU-Kommission hat außerdem einer Nachjustierung des "KfW-Sonderprogramms 2020" zugestimmt: Wie das BMWi mitteilt, wird es Landesförderinstituten dadurch möglich, Kreditprogramme mit den gleichen Konditionen zu gewähren, wie sie im Rahmen des KfW-Sonderprogramms bereits für die Förderbank KfW gelten. Jetzt können auch die Bundesländer flächendeckend Kreditprogramme aufsetzen, die die guten Förderkonditionen des bereits genehmigten KfW-Sonderprogramms 2020 anwenden, und so Unternehmen schnell und zinsgünstig zu mehr Liquidität verhelfen.

Wir werden an dieser Stelle weiter darüber berichten.