Pressemitteilung

Zahl der Baugenehmigungen geht zurück – immer noch zu wenig Wohnraum in Ballungsgebieten

Zahl der Baugenehmigungen geht zurück – immer noch zu wenig Wohnraum in Ballungsgebieten

„Der Bau und Erwerb von Wohnraum ist in Deutschland immer noch zu teuer und zu kompliziert,“ so Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. bei der Jahresauftaktpressekonferenz in Frankfurt. „Gerade im Ballungsgebiet Rhein-Main macht sich das bemerkbar, der Erwerb oder Bau einer Wohnimmobilie ist für junge Familien so gut wie nicht finanzierbar. Nach einem ersten Hoch aufgrund der Niedrigzinspolitik holen uns die längst bekannten Probleme ein und die Zahl der Baugenehmigungen geht wieder zurück. Die Politik muss nun endlich an den nötigen Stellschrauben drehen!“

Baunebenkosten machen Bauen und Kaufen unattraktiv
„Praktisch nirgendwo in Europa sind die Kaufnebenkosten so hoch wie hierzulande. Die Gebühren für den Notar und Grundbucheintrag, die Grunderwerbsteuer sowie eine mögliche Maklergebühr können sich auf bis zu 16 Prozent des eigentlichen Kaufpreises für die Immobile summieren und sind nicht über Kredit finanzierbar, weil ihnen keine Sicherheit gegenübersteht. Dafür braucht der Käufer entsprechendes Eigenkapital, das dann bei der Baufinanzierung fehlt. Was wir deshalb brauchen, ist eine Senkung der Grunderwerbsteuer durch die Länder auf ein bundesweites, investitionsfreundliches Niveau von 3,5 Prozent. Auch die Abschreibungsmöglichkeiten für eine Immobilie müssen deutlich attraktiver werden“, fordert von Borstel.

Die Baukosten sind von 2000 bis zum 2. Quartal 2017 deutlich gestiegen. Kostentreiber Nummer eins: technischer Ausbau mit einem Anstieg von 132 % (EnEV, EEWärmeG). Nummer zwei: konstruktiver Ausbau + 64 % (EnEV, Barrierefreiheit, Qualitätsansprüche) und Nummer drei: Baunebenkosten +59 % (Expertengutachten, Abgaben und Gebühren).

„Die Unternehmen leisten große Anstrengungen, um das Bauen stärker zu rationalisieren und damit kostengünstiger zu gestalten. Die Politik muss ihren Beitrag dazu leisten, u. a. im Bereich Zulassungen und Genehmigungsverfahren. Neben Ländern und Kommunen ist hier auch die neue Bundesregierung gefragt, um Bauen in den heterogenen deutschen Immobilienmärkten einfacher, schneller und kostengünstiger zu machen. Unter anderem muss das Normungswesen auf den Prüfstand gestellt und die ordnungsrechtlichen Anforderungen für das Bauen wieder auf einfache und kostengünstige Standards zur Gefahrenabwehr beschränkt werden. Auch die Baukosten könnten deutlich gesenkt werden z.B. durch eine bundesweit gültige, einheitliche bauliche Zulassungen von Mehrfamilienhaustypen bzw. Systembauten,“ regt von Borstel an.

Ländliche Räume für Menschen und Betriebe attraktiv halten
„Allein in den Großstädten ist ausreichend Wohnraum in kurzer Zeit definitiv nicht zu schaffen. Daher bedarf es eines einheitlichen Ansatzes, der die Regionen außerhalb der Wachstumszentren gezielt stärkt. Wir müssen auch die Menschen und Betriebe in den ländlichen Regionen mit der nötigen Infrastruktur versorgen. Mehr Förderung für die Regionen jenseits der Metropolen würde gerade auch die Wohnungsmärkte in den Großstädten entlasten,“ so Frank Dittmar, Präsident des Verbandes und Bauunternehmer aus Guxhagen.

„Dazu gehört aus unserer Sicht in erster Linie die digitale Anbindung. Auch die Handwerks- und Baubetriebe müssen sich digitalisieren und die sind wichtige Arbeitgeber gerade in ländlichen Regionen. Schnelles Internet ist kein Selbstzweck. Digitale Dienstleistungen werden in Kürze eine ähnliche Bedeutung haben wie die verlässliche Versorgung mit Strom und Wasser. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur in den ländlichen Räumen muss absoluten Vorrang genießen. Ohne diesen werden Klein- und Mittelstädte keine Bedeutung als Arbeitsplatzzentren gewinnen können,“ macht Dittmar klar.

Bauen muss Chefsache werden
„Sowohl in Wiesbaden als auch in Berlin brauchen wir ein eigenständiges Bauministerium – mit Zuständigkeit für Bauen, Wohnen, Stadt- und Landentwicklung, Raumordnung, Energieeffizienz und digitale Infrastruktur. Die komplexen Aufgaben rund um das Bauen und Wohnen müssen zusammengedacht werden. Die zurückliegende Legislaturperiode hat gezeigt, dass die Wohnungspolitik häufig zwischen den anderen Themenfeldern aufgerieben wurde,“ meint von Borstel abschließend.